Holzofenseminar im Backdorf Häussler

Wir waren ja vor ein paar Monaten im Backdorf Häussler in Heiligenkreuztal, davon habe ich ja hier erzählt, und was soll ich sagen… unser Garten schreit einfach nach einem Holzofen!!!
Bei unseren ganzen Umbaumaßnahmen hatten wir eigentlich einen Platz für einen kleinen Teich reserviert, aber wer braucht schon einen Teich (sorry an alle Teichliebhaber), wenn man dafür einen Holzbackofen haben kann? Man denke an Massen von Brot, Pizza, Kuchen, Braten usw. usw. Läuft euch auch schon das Wasser im Mund zusammen? Also beschlossene Sache, wir kaufen so einen Bausatz, basta. Verbunden damit haben wir uns gleich für ein Holzofenseminar angemeldet. Ein bißchen Knowhow kann ja nie schaden!

Tor Häussler

Das Tor vom Backdorf mit dem Wahrzeichen “Die sieben Schwaben” das auch die Ofentüren eines jeden Häussler Holbackofens ziert

Also haben Herr FS und ich uns auf den Weg gemacht und sind 9 Stunden, mit dem Hänger an unserem Auto, nach Heiligenkreuztal getuckert. Das waren ca. 750 km entschleunigte Fahrt. Normalerweise bin ich es ja gewohnt, dass die geplante Ankunftszeit unseres Navis noch unterboten wird, aber diesmal wurde sie immer länger und länger… Wie halten die Wohnwagencamper unter euch das nur aus so langsam zu fahren? Egal, auch diese Fahrt ging zu Ende und wir kamen im Hotel “Zum Fliegerwirt” in Mengen an.

Nach einer Übernachtung und einem nicht so opulenten Frühstück…

(Keine Schuld des Fliegerwirts, wer da nicht satt wird ist selber Schuld, aber Herr FS sagte ganz richtig: “Schatz, ein Brötchen reicht, wir kriegen ja gleich noch”!)

… machten wir uns auf den Weg zum Backdorf. Dort wurden wir von der Seniorchefin sehr herzlich begrüßt und bevor wir uns versahen, hatten wir auch schon wieder ein Stück Dinnete (erklär ich gleich was das ist) in der Hand und dann ging es auch schon los.

Begrüßung

Frau Hanner und Herr Rommel, die beiden Leiter des Holzofenseminars, begrüßten uns und die anderen rund 30 Teilnehmer mit einem kurzen geschichtlichen Abriss des Familienbetriebes “Häussler”(mit derzeit 80 Mitarbeitern).
Was macht man wenn man den Schlosser im Nachbarort heiratet, in dem es keinen Holzbackofen gibt? Klar, man bittet ihn einen zu bauen. Und dann nimmt man seinen Freunden auch keine Blumen mehr mit, sondern selbst gebackenes Brot. Und was sagen dann bald die Freunde? “Wir wollen auch so einen Ofen” und schon ist die Geschäftsidee geboren. Das war vor ca. 35 Jahren. Mittlerweile wurde das Sortiment um elektrische Steinbacköfen, Kornmühlen, Nudelmaschinen und Knetmaschinen incl. Zubehör und Backzutaten erweitert und offiziell an die Kinder übergeben, aber die Seniorchefs sind immer noch gerne präsent.

Anheizen

Herr Rommel sie sind etwas unscharf 😉

Dann ging es an das Objekt der Begierde mit den Fragen: Wie wird richtig angeheizt? Wie lange dauert es? Welches und wie viel Holz nimmt man? Wo muss das Feuer im Ofen sein? usw. An was man alles denken sollte…. Wusstet Ihr das Eiche und Walnuss (und wie mein Onkel noch ergänzte auch Weide) Bitterstoffe haben die das Brot verderben würden? Oder dass man das Feuer immer ganz vorne im Ofen machen muss, damit der Ofen eine gleichmäßige Wärme bekommt? Angefeuert wurde mit einem Drittel des Holzes, und als nach 15-20 Min. der Kamin aufhörte zu rauchen, kam das zweite Drittel hinterher. Später mehr….

Backkurs

Danach ging es dann an einen schon auf 400°C vorgeheizten Ofen, in dem für ca. 10 Min Tonschalen aufgeheizt wurden. Der Ofen kühlt dabei um ca. 20°C ab. Die Schalen kamen aus dem Ofen, wurden mit Fleischspießen bestückt und dann wieder in den Ofen geschoben. Nach 8 Min. war das Fleisch wunderbar saftig und zart. Dazu gab es Brot mit selbst gemachter Kräuterbutter.

Darauf folgten Dinneten, die schwäbische Pizza. Die kennt man hier bei uns im Norden gar nicht, aber ich würde mal sagen, sie sind ähnlich wie Flammkuchen mit Speck, Schmand und Zwiebeln. Frau Hanner hat uns gezeigt wie man den Teig über den Handrücken auszieht, dass er nicht wieder “zusammeschnurre” kann.  Herr FS und ich fanden das (Hoch-)Schwäbisch einfach herrlich.

Und nach 8 Min. bei 350°C im Ofen haben wir wieder gegessen.

– So, für mich hätte es hier eigentlich schon gelangt für den Tag, an den beiden Sachen hätte ich mich schon satt essen können!- 😉

Apfeldinnete

Doch jetzt kamen noch süße Dinneten mit Apfel und Mandeln belegt in den Ofen, bei 320°C.

Wir gingen während dessen schon mal wieder ans Heizen. Nach einer 3/4 Std. sollte das dritte Drittel des Holzes nachgelegt werden. Und wir lernten, dass man einen neuen Ofen über 6 Tage trocken heizen sollte, dass man ihn auch im Winter nutzen kann und wie er nachgeheizt oder, durch von links nach rechts (oder umgekehrt) schieben der Glut, dauer beheizt werden kann.

Schwarze Ecken am Schamott zeigten uns, dass der Ofen noch nicht ganz aufgeheizt war. Der Heizvorgang sollte mindestens zwei Stunden dauern, damit die Temperatur später nicht zu schnell abfällt. Die süßen Dinneten haben wir beim Zuhören verputzt. Das Wasser läuft mir jetzt noch, während ich das schreibe, im Mund zusammen. Die stehen ganz oben auf meiner Liste.
Bin und bleibe halt eine Süße 🙂

Apfeldinnete

Danach wurde dann Brotteig gemacht, natürlich mit einer Häussler Knetmaschine – mein Traum! In Schwaben wird eher helles Brot gegessen. Laut Frau Häussler ist “20% Roggen das was ein Schwabe gerade noch vertragen kann” *grins*.  Wir haben gelernt dass man 1 Eßl. Honig/kg Mehl zum Brot gibt für eine bessere Kruste und  1 Eßl. (Apel-)Essig/kg Mehl, damit es nicht so schnell schimmelt. Auch Reste von Joghurt, Quark oder Buttermilch dürfen gerne mit in den Teig.

Zu dem Brot (und auch Baguette) kamen dann noch Leberkäse vom Metzger, Rosmarinkartoffeln und eine Ananas ohne “Strunk” (nennt man das Ding oben an einer Ananas so?) in den Ofen. Süß und deftig zusammen ist im Holzofen kein Problem, da der Geschmack nicht übertragen wird. Bei ca. 280°C für 1 Std.

Diese Stunde  war genug Zeit sich das Werk der Firma Häussler anzuschauen, dass mittlerweile in einem Nachbargebäude untergebracht ist. Denn die Öfen sind alle “made in Schwaben”. Über eine Treppe kamen wir auf eine Galerie, auf der wir die Produktion begleiten konnten. Super aufgeräumt sag ich euch.

Brot aus dem Holzbackofen

Nach einer Stunde sind wir zurückgekehrt an den Ofen und die Leckereien wurde heraus geholt. Es gab den Fleischkäse mit Rosmarinkartoffeln, dazu Baguette. Langsam hatte ich das Gefühl ich fange an zu kugeln, aber natürlich habe ich nichts übrig gelassen 🙂 Es war einfach sooo lecker.

Leberkäse mit Kartoffeln

Und dann kam die Ananas …das geheime Highlight des Tages! Nicht nur weil sie immer Ofen nachgereift war und einfach nur lecker schmeckte, sondern weil Frau Hanner einen sehr sympathischen Lachanfall bekam.  Die Einkäuferin hatte an diesem Tag eine etwas kleine Ananas erwischt und als Herr Rommel sie zerlegte, blieb für eine Horde von rund 30 Teilnehmern nicht mehr wirklich viel…  aber zum Probieren reichte es allemal und wir waren ja nicht mehr wirklich hungrig. Lachen mussten aber alle  sehr.

Damit aber nicht genug, denn zum Schluss kamen noch “Schneckenudle” (für Norddeutsche und alle Nichtschwaben: Nussschnecken) bei mittlerweile 230°C in den Ofen.  Bei denen hat Herr FS übrigens abgewunken… aber dann meine Schnecke halb aufgefuttert!!!

Schneckenudle

Nach Ende der Veranstaltung sind wir dann noch ein bisschen durch die Verkaufsräume geschlichen und haben uns ausgesucht, was wir als Zubehör noch alles gebrauchen könnten.

Innenansicht Backdorf

Da der Geldbeutel aber nicht mehr hergab, haben wir uns auf das Kuchen- und das Lochblech, Backpapier für Pizza/Dinnete, Dauerbackfolie für Hochtemperatur und Gärbehälter mit -folie beschränkt.

Shopansicht

Geliebäugelt haben wir noch mit den Tonschalen, dem Pizzaschieber, den Can-Chicken-Halter, den Hähnchenschlegelhalter, den Peddigrohrkörbe, den Backmischungen ….usw.
……. aber das können wir uns erst nach und nach leisten………..Leider.

Backzutaten

Am nächsten Tag sind wir dann mit unserem Hänger vorgefahren: “Einmal aufladen bitte!”

Und dann sind wir mit unserem Bausatz HABO 4/6 für 5-8 Brote über die Autobahn in 10 Std. nach Bremen zurück getuckert. Wie es weiter geht könnt ihr bald hier lesen.

Seid lieb gegrüßt
Eure Britta

2 Gedanken zu „Holzofenseminar im Backdorf Häussler

  1. Felizitas Buschmann sagt:

    Liebe Britta,

    na dann können wir ja demnächst auf ein FS-Brotseminar hoffen. Lecker Futter backen, ordentlich schlemmen, Brotbeutel nähen und den Rest gierig einpacken……..hihi

    Findest du es wirklich nett, uns all die leckeren Sachen unter die Nase zu reiben???????

    Verdammich nochmal! Das ist doch ein Nähblog. Und was bekommt man. HUUUUUNNNGERRR!!!

    Laute Grüße von meinem Magen
    Feli

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